Der Erziehungswissenschaftler Roland Reichenbach kritisiert scharf die Individualisierung an Schweizer Schulen, die seiner Meinung nach vor allem leistungsschwachen Schülern schadet, insbesondere solchen aus sozial benachteiligten oder migrantischen Familien. Er wirft der «Bildungsklasse», die Entscheidungen im Bildungssystem trifft, mangelnde Empathie und Distanz zu den betroffenen Milieus vor. Reichenbach beklagt, dass die Schule ihre Integrationsfunktion vernachlässigt und stattdessen zu einer Projektionsfläche für Utopien und Ideologien wird. Er plädiert für eine Rückbesinnung auf grundlegende Kulturtechniken, ein Ethos der Anstrengung und eine klare Autoritätshaltung der Lehrkräfte, anstatt einer blossen Coach-Rolle. Die aktuelle pädagogische Ausrichtung, die zu stark auf das Individuum fokussiert, trage paradoxerweise zur Vergrösserung der Leistungsschere bei.