Kulturstaatsminister Wolfram Weimer steht erneut wegen mutmaßlicher Einmischung in unabhängige Jury-Entscheidungen zur Vergabe von Fördermitteln in der Kritik. Diesmal geht es um die Nichtförderung eines Übersetzungsprojekts palästinensischer Autoren durch den Hauptstadtkulturfonds, nachdem eine Jury dafür gestimmt hatte. Vertreter des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) sollen die Entscheidung der Jury revidiert haben. Kritiker wie Sven Lehmann (Bundestagskulturausschuss) und David Schliesing (Linken-Kulturpolitiker) werfen Weimer vor, die Staatsferne der Kulturförderung auszuhöhlen und die Kunstfreiheit zu untergraben. Acht SPD-Kulturminister forderten in einer Erklärung, auf öffentliche Richtlinien und unabhängige Jurys zu vertrauen. Weimers Sprecherin betonte, Jury-Empfehlungen seien nicht bindend und die abschließende Entscheidung treffe ein Gemeinsamer Ausschuss, in dem Weimer nicht involviert sei. Die Jury des Hauptstadtkulturfonds selbst wandte sich gegen "jede politische Einmischung".