Der Staatsrechtler Giovanni Biaggini kritisiert den Bundesrat scharf für die Tabuisierung wichtiger verfassungsrechtlicher Fragen im Zusammenhang mit den EU-Verträgen, wodurch das Parlament nun die notwendige Denkarbeit leisten müsse. Seit Monaten wird im Parlament die Notwendigkeit des Ständemehrs für neue EU-Verträge diskutiert, eine Debatte, die durch das absehbare Nein zur Initiative gegen eine 10-Millionen-Schweiz voraussichtlich an Schärfe gewinnen wird. Biaggini warnt, dass diese Auseinandersetzung weitreichende Konsequenzen hat, die über die EU-Verträge hinausgehen, und dass das Thema zu einem «hochemotionalen Bashing der kleinen Kantone» eskalieren könnte, da diese grundlegenden Fragen der schweizerischen Verfassungsordnung berühren und ein Scheitern der diesbezüglichen Klärung befürchtet wird.