„Vom Übertreiben“: Tagesspiegel-Feuilleton am 3. Februar 1946 04.02.2026

Der Artikel „Vom Übertreiben“ aus dem Tagesspiegel-Feuilleton vom 3. Februar 1946, analysiert von Hermann Friedemann, befasst sich mit der Macht und den Gefahren der Übertreibung, die er als gefährlicher als die reine Lüge einstuft. Während Lügen ein gewisses Maß an Selbstverachtung mit sich bringen, ist Übertreibung subtiler und verbündet sich mit menschlichen Instinkten, indem sie auf der Wahrheit aufbaut und kein Misstrauen erregt. Friedemann hebt hervor, dass gerade die Deutschen aufgefordert sind, dieser Neigung zur Übertreibung entgegenzuwirken, was eine immense Herausforderung darstellt. Er illustriert dies anhand von Beispielen der Nazi-Propaganda, wie der Vorhersage von dreißig Millionen Arbeitslosen in den USA oder der Behauptung von einunddreißig Millionen russischen Soldaten, die im Krieg ausgefallen seien. Diese Übertreibungen, so der Autor, seien verführerisch, da sie auf einem Mangel an Vorstellungskraft beruhen und durch ihre Unglaublichkeit paradoxerweise Glauben finden.













