Tagesspiegel Plus „Frankreichs System wirkt zunehmend dysfunktional“: Was vom Macronismus bleibt 06.04.2026

Vor zehn Jahren, am 6. April 2016, gründete Emmanuel Macron die Bewegung „En Marche!“, die später in „Renaissance“ umbenannt wurde, mit dem Ziel, die politische Polarisierung in Frankreich zu überwinden und die etablierten Parteien zu sprengen. Dieses Experiment schien zunächst erfolgreich, da traditionelle Parteien wie die Sozialisten und Republikaner bei der Präsidentschaftswahl 2022 stark an Bedeutung verloren. Jedoch bleibt die ideologische Ausrichtung von Renaissance unklar, da Macrons eigene politische Flexibilität auf die Partei abgefärbt hat. Trotz Bemühungen, den Kern des Macronismus zu bewahren, hat die Partei unter Gabriel Attal eine Verschärfung der Einwanderungsgesetze vorgenommen, was sie nach Ansicht neutraler Beobachter weiter nach rechts rückt. Macrons Entscheidung, die Nationalversammlung im Sommer 2024 aufzulösen, führte zu einem Verlust von Mandaten für seine Partei und entfremdete Abgeordnete sowie den Parteivorsitzenden Attal von ihm. Anstatt einer Versöhnung hat Macrons Mitte-Kurs zu einem polarisierten politischen System geführt, das von Gewaltpotenzial auf der Straße und der Möglichkeit eines Duells zwischen extremen rechten und linken Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl 2027 geprägt ist. Während Macron außenpolitisch Erfolge bei der europäischen Souveränität erzielt hat, sind seine innenpolitischen Reformen weitgehend gescheitert, was zu einem dysfunktionalen politischen System mit ungebrochener präsidialer Macht, einem zerstrittenen Parlament und unerfüllten Versprechen führt.














